[Filmkritik] Black Dynamite

Vor ein paar Monaten sah ich den ersten Trailer zu “Black Dynamite”, wollte ihn unbedingt sehen, verlor ihn aber irgendwie aus den Augen. Durch die aktuelle Veröffentlichung der deutschen DVD und aufgrund des netten Marketings bei Facebook bin ich erneut auf den Film aufmerksam geworden und konnte ihn mir gestern Abend endlich ansehen. Ob meine Erwartungen – besonders angesichts dessen, dass ich einen ähnlichen Film plane – erfüllt werden konnten – dazu später mehr. Nachdem die Kinos bis in die späten 60er Jahre auschließlich von Geschichten über “Weiße” dominiert wurden, entwickelte sich in den darauffolgenden Jahren das sogenannte “Blaxploitation”-Kino, eine Plattform für afro-amerkanische Regisseure und Darsteller. Seinen Höhepunkt fand das Genre ohne Frage in der Veröffentlichung von “Shaft”. Viel Gewalt, Sex und Drogen, dafür stand Blaxploitation – und genau da macht “Black Dynamite” nun weiter.

Black Dynamite ist ein knallharter Pimp, Kung-Fu Experte und ehemaliger CIA Agent. Als sein Bruder von unbekannten Killern getötet wird, reaktiviert sich Dynamite kurzerhand selbst und sinnt auf blutige Rache. Mit der Unterstützung einiger alter Freunde kommt Black Dynamite nicht nur auf die Spuren skrupellosen Dealer, sondern entdeckt auch eine gewaltige politische Verschwörung, die bis ins Weiße Haus führt.

Wüsste man nicht, dass der Film erst jetzt gedreht wurde, man würde meinen, er käme geradewegs aus den 70er Jahre. Der Regisseur hat die überdrehte Produktionsart der alten Filme eins zu eins übernommen und brauchte sich deshalb auch nicht davor verstecken, ein geringes Budget gehabt zu haben. Viele Darsteller haben für einen Obulus gearbeitet, der Hauptdarsteller hat direkt ein paar Freunde aus dem Fitnessstudio mitgebracht und Explosionen und andere Actionszenen, die nicht in das Budget gepasst haben, wurden kurzerhand aus anderen alten Filmen eingekauft. Das ist Trash pur und absolut großartig! Die Dialoge sind teilweise so wunderbar sinnfrei und überdreht, dass man geradezu  genötigt wird, drauf los zu lachen. Zum Beispiel wenn Dynamite mit seinen Team zusammensitzt, über das Schmelzverhalten von Waffeln diskutiert und plötzlich eine übertrieben daher geholte These nach der anderen zur Lösung des Falles führt.

Die Detailverliebtheit von Regisseur Scott Sanders ist überragend. Die Kulissen wirken billig, das Bild ist zerkratzt und alt, schnelle Zooms verstärken übertriebe Dramatik und der Soundtrack ist Funk pur. Willkommen im Kino der 70er! Die Musik, maßgeblich beeinflusst von Isaac Hayes und Curtis Meyfield, wurde eigens für den Film geschrieben, komponiert und eingesungen. Das passt nicht nur wunderbar zum Flair der damaligen Zeit (als jeder Film noch einen gesungenen Titelsong bekam), sondern sorgt durch seine witzigen Texte auch gleichzeitig für einige zusätzliche Lacher.

Als großer Fan von Superfly, Shaft und Co. und durch die Tatsache, dass ich seit Monaten ein Drehbuch schreibe, das ebenfalls in den 70er Jahren angesiedelt ist, von coolen Cops und bösen Buben handelt und eine Art Amateur-Trash-Hommage an das Genre des 70er Jahre Polizeifilms werden soll, waren meine Erwartungen dementsprechend hoch, vielleicht auch, um ein kleines Vorbild zu finden. Das hat Sanders mit seinem Film fast geschafft – aber nur fast. Denn Black Dynamite hat auch seine Schwächen. Besonders gegen Ende beschleicht einen immer mehr das Gefühl, dass den Drehbuchautoren ein wenig die guten Ideen ausgingen. Teilweise wirkt das Ende nämlich fast schon wie ein Best of-”Was wäre das verrückteste, was jetzt passieren könnte”. Dadurch wurde mir das letzte Drittel doch etwas zu verrückt. Kleines Beispiel gefällig?

[Spoiler]
Irgendwann kommt Black Dynamite dahinter wer die Drahtzieher sind, woraufhin er die Basis mit seiner Truppe stürmt. Es folgt ein Kampf mit einem Kung Fu Meister, kurz darauf ist Dynamites Team tot. Der Oberbösewicht ist plötzlich doch jemand völlig anderes und Dynamite macht von nun an auf Alleingang, als wäre nichts passiert. (Abgesehen davon, dass man keine Charaktere tötet, zu denen man im Laufe des Films Symapthien aufgebaut hat. Das gehört sich nicht! ;))
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Vielleicht nicht das beste Beispiel. Worauf ich hinaus will: Während der Film in der ersten Hälfte einem bestimmten Schema folgt, wirft er es gegen Ende teilweise komplett über Bord und wird leider mehr albern als lustig. So hat man bei einer Szene den Eindruck, die Macher wollten einfach noch schnell einen Kung-Fu Fight einbauen, bevor Black Dynamite dann alleine in den Showdown zieht. Ein wenig schlüssiger hätte die Auflösung des Oberbösewichts und dessen Motiv ruhig sein dürfen.

Nichts desto trotz: “Black Dynamite” ist einfach nur cool, völlig abgedreht und eine liebevoll inzenierte Parodie obendrauf. Man sieht dem Hauptdarsteller förmlich an, wie viel Spaß er an seiner Rolle hatte. Der Retro-Look ist super, die Musik genial und die Sprüche gehören zu den besten “Oneliner”, die ich bislang gehört habe. Etwas mehr Handlung wäre besonders gegen Ende wünschenswert gewesen, verhindert aber trotzdem nicht, dass Black Dynamite ohne Frage zu den besten Parodien gehört, die ich bislang gesehen habe. Seien es die hoch philosophischen Ansprachen, die der Hauptdarsteller hin und wieder an den Tag legt oder das immer wieder erklingende “Dynamite!”, wenn selbiger ein neues Szenario betritt. Es sind die vielen Kleinigkeiten, die Black Dynamite jetzt schon zu einem absoluten Kultfilm haben werden lassen.

Bewertung:

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4 von 5 Sternen

Empfehlung:

Schnappt euch eure Freunde, besorgt viel Bier und schaut Black Dynamite im Doppelpack mit Loaded Weapon (“Lethal Weapon”-Parodie mit Samuel L. Jackson und Charlie Sheens Bruder)

Trailer:

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