Vater Morgana

Ein paar Seiten vorher kann man lesen, dass ich über eine schulische Ausbildung berichte, die ich letztes Jahr in Hamburg begonnen habe. Ein paar Wochen später realisierte ich, dass die Therorie den praktischen Teil einer “Filmausbildung” doch irgendwie eindeutig überwog, ich mehr mit Zahlen als mit Drehbuchideen zu tun hatte und der Laden irgendwie überhaupt nicht das war, was ich mir vorgestellt habe. Kurz: Ich brach ab. Es hat eine Weile gedauert, bis ich reinen Gewissens damit abschließen konnte. Nicht weil ich es bereut habe, die Ausbildung geschmissen zu haben, sondern weil es seltsam war am nächsten Tag aufzuwachen und nicht zu wissen, wie es jetzt eigentlich weitergehen soll. Um mir darüber im Klaren zu werden, absolvierte ich in den nächsten sechs Monate meinen Zivildienst, zerbrach mir den Kopf über mein Leben, machte Listen mit Dingen, die ich gerne machen möchte und redetet fast täglich mit Familie und Freunden. Und desto mehr ich über meine berufliche Zukunft sinnierte, umso deutlicher kristallisierte sich heraus, dass ich niemals glücklich werden kann, wenn ich nicht versuche mein Hobby und meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Ich will kein BWL studieren, kein Einzelhandelskaufmann, Tischler oder Webdesigner werden. Ich will Filme machen. Und das mein Leben lang.

Es ist immer wieder amüsant mitanzusehen, wie mein Gegenüber reagiert, wenn ich ihm von meinem Plan erzähle und er lediglich die handvoll Trashfilme kennt, die ich bislang gedreht habe. In den meisten Fällen werde ich belächelt und nicht wirklich ernstgenommen. Das ist absolut in Ordnung. Wäre Edgar Wright mein Klassenkamerad gewesen und hätte mir nach seinem ersten Kurzfilm (hier ein Ausschnitt) ähnliche Sachen erzählt, ich hätte ihn wohl auch nicht wirklich ernstnehmen können. Es reicht mir völlig wenn diejenigen, die mich wirklich kennen und sich immer und immer wieder meine Ideen anhören müssen, wissen, dass ich bei dem Gedanken Film zu studieren nicht an “Operation: Snow Wars” mit größeren Budget denke.

Aktuell drehe ich drei Kurzfilme, mit denen ich mich in Hamburg an einer Filmhochschule bewerben werde. Einer davon heisst “Vater Morgana”, wurde von meiner Mutter geschrieben und erzählt von der Suche eines Jungen nach seinem Vater. Gestern war der erste Drehtag und obwohl die Kamera und Crew nun größer ist, waren viele bekannte Probleme wieder mit von der Partie. Sei es der Nebendarsteller, der verkatert im Bett liegt und nicht auftaucht, die Passanten, die nicht verstehen wollen warum es super toll wäre, wenn sie mal kurz aus dem Kamerabild gehen könnten oder das ständige Improvisieren beim Dreh, weil einem ja doch irgendwo das 5000€ Equipment fehlt. Trotz all der kleinen Probleme, die ich aber irgendwie auch mag und vermissen würde, würde alles reibungslos funktionieren (was es in dem Geschäft aber sowieso nie tut), war der Tag wirklich erfolgreich. Ich mag den Moment wenn ich nach Hause komme, das Band einspiele und zum ersten Mal die Kamerabilder auf einem großen Monitor sehe. Das ist unbezahlbar. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an alle, die mitgewirkt haben. Ihr seid klasse!

Nach dem Klick gibts noch Bilder, Berichte von den folgenden Drehtagen folgen.
Es bleibt spannend™!


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